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Der Kreis als Lebensform

„It takes a whole village to raise a child“
(Sprichwort der Yoruba aus Nigeria)

„Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen“, ist ein bekannter weiser Spruch in vielen westafrikanischen Kulturen. Hierbei geht es um Gemeinschaft und darum, dass in einer Gemeinschaft alles zu finden ist, was ein Kind braucht, um gesund und glücklich heranwachsen zu können. Wenn diese Gemeinschaft dann auch noch ohne Hierarchien auskommt, haben wir einen Kreis von Menschen, die gleichwertig und gleichberechtigt zusammenleben.
Tatsächlich gibt es noch heute Kulturen, die so miteinander leben. Als Beispiele dieser egalitären Gemeinschaften seien hier die San aus dem südlichen Afrika und die Pirahã aus dem Amazonasgebiet genannt.

Ein Kreis hat keinen Anfang und kein Ende, jeder Punkt seiner Linie ist gleich weit vom Zentrum entfernt und alles ist verbunden. Er ist Symbol für die Unendlichkeit, die Ganzheit, die Einheit, die Ewigkeit und das Göttliche. Seine Linie schließt ein und schließt aus, kann Schutz und Grenze sein. Der Kreis spiegelt die Zyklen und Rhythmen der Natur, wie den Jahreslauf, Leben - Tod und Wiedergeburt, Tag und Nacht, Ebbe und Flut, Lauf der Gestirne, Mondphasen, …
Ohne Ecken und Kanten ist er wie der Fluss des ewigen Seins. Der Kreis gilt als die Urform von Harmonie.

Der Kreis als Lebensform kann mehrere Bedeutungen haben. Etwa die, mit den Zyklen und Rhythmen der Natur im Einklang zu leben. Hier mag ich aber darauf im Sinne des menschlichen Miteinanders eingehen.
Stellen wir uns eine Gemeinschaft vor, die den Kreisgedanken miteinander lebt! Es gibt keine erhöhte Position, alle sind gleichberechtigt und auf Augenhöhe. So braucht es keine Anführer, die anderen sagen müssen, was sie tun sollen. Jeder darf für sich selbst sprechen, jeder wird von allen gehört und gesehen. Alle sind gleich - gleich wertvoll und gleich wichtig. Auch für Kinder gilt das! Sie wachsen ganz natürlich in die Gemeinschaft hinein, lernen durch nachahmen und ohne Bestrafung, Bewertung und Gewalt. Sie dürfen von Anfang an nach ihren Bedürfnissen handeln und entscheiden, was sie tun wollen, wann sie essen, trinken, oder schlafen wollen.
Jeder übernimmt die Verantwortung für das eigene Tun und Handeln. Es wird geteilt und wer etwas braucht, dem wird gegeben, sodass es für alle reicht. Der Kreis definiert eine Zugehörigkeit und auch Halt und Schutz, den die Menschen einander durch den Zusammenhalt in der Gemeinschaft geben. Jeder darf sich sicher fühlen und jeder ist wichtig, den er trägt mit seinem ganz individuellen Sein zur Gemeinschaft bei. Kommt jemand dazu, wird der Kreis ein Stück größer.
Das lineare Denken, das von Hierarchien, Wettstreit und „Höher, schneller, weiter“ geprägt ist, ist das Gegenteil vom Kreisgedanken. Es hat darin schlicht keinen Platz. Konflikte werden mit Humor gemildert oder in der Gruppe ausgetragen, jeder darf sprechen, bis ein Konsens gefunden wird.
Es gibt für alle Menschen im Kreis ein hohes Maß an Freiheit und Selbstbestimmtheit.

So wie hier fiktiv beschrieben und wie von einigen egalitäre Kulturen vielleicht ähnlich gelebt, möchte ich im kleinen Kreise gestalten, mit den Menschen, die zu mir kommen. In meinen Seminaren und Ritualen bilden wir Kreise auf Zeit und nehmen uns Achtsamkeit, Respekt, Akzeptanz und Wertschätzung zur Grundlage des Miteinanders. Jeder darf sein, wie er ist, mit dem was er mitbringt. Die Erfahrung zeigt, dass dies gut gelingen kann und wertvoll für alle Beteiligten ist.

Der Kreisgedanke schafft Frieden und Frieden brauchen wir mehr als dringend auf unserer Erde! Deshalb: Bildet Kreise!