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Traumasensible
&
ressourcenstärkende Arbeit

"Kein Mensch betritt denselben Fluss zweimal, denn es ist nicht derselbe Fluss und er ist nicht mehr derselbe Mensch"
(Heraklit von Ephesos)


Das Leben ist wie ein Fluss, der immer weiter fließt. (frei nach Heraklit)
Ich möchte unser Leben mit einem Fluss vergleichen, der sich von der Quelle bis zur Mündung im Meer bewegt:

Das Quellwasser ist, lange bevor es für alle sichtbar aus der Erde tritt, schon da. Das Wasser wird in dieser Zeit bereits unterschiedlichen Bedingungen ausgesetzt: Es fließt durch sandigen, lehmigen oder steinigen Boden, löst verschiedene Mineralien, tritt leicht an die Erdoberfläche oder mit viel Druck ... Dies ist vergleichbar mit unserer Lebenszeit von der Zeugung bis nach unserer Geburt. Wir starten bereits mit einer Prägung in die Kindheit und wachsen heran:

Ein kleines Bächlein beginnt zu fließen, ist noch zart und empfindlich.
Nach und nach wächst der Fluss an, es regnet in ihn hinein, er erhält Zulauf aus Nebenflüssen, sucht sich seinen Weg durch die Landschaft.
Es gibt kurvenreiche Stecken, ruhiges und schnelles Fließen, Stromschnellen und Staudämme. Er trifft auf Landschaften, Menschen und Tiere - all dies nimmt Einfluss auf seinen Weg und die Wasserqualität. Um große Felsen sucht sich das Wasser seinen Weg. Aber auch die Kraft, einen Stein auszuhöhlen hat der Fluss und kann so unterirdisch fließen, ohne gesehen zu werden.
Er wird genährt durch Niederschlag und Zuflüsse - ist Gebender durch Verdunstung, gibt trinkenden Pflanzen oder Tieren und Menschen, die Wasser schöpfen. Wirft jemand einen Stein ins Wasser, wird dieser am Grund liegen bleiben. So wird das Wasser ab dann über den Stein strömen und ihn vielleicht hin und wieder ein Stück mitreißen. Aber der Stein bleibt am Grunde des Flusses. 
Viele Steine können ein Staubecken entstehen lassen und fließen ist kaum mehr möglich. Oder es geht rasant, mit hoher Geschwindigkeit unkontrollierbar als ein Wasserfall in die Tiefe. Unten angekommen schäumt das Wasser, bildet Strudel und braucht eine Weile, um sich zu beruhigen.

Schließlich hat der Fluss viel erlebt und bringt all das mit, was sich in seinem Wasser auf dem Weg gesammelt hat, wenn er ins Meer mündet und eins wird mit dem Ozean.
Der Weg des Flusses kann beispielhaft für unseren Lebensweg stehen: Es gibt innere und äußere Einflüsse, positives und negatives auf unserem Weg. Wie das Wasser sind wir immer Teil von einem großen Ganzen, einem Kreislauf.


Traumasensible Arbeit

„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden,
kann man Schönes bauen.“

(Weisheit)


Zuerst möchte ich den Begriff „Trauma“ erläutern:
Ein Trauma entsteht, wenn ein Ereignis als überwältigend empfunden wird, im Körper in hohem Maß Stresshormone, wie Adrenalin oder Cortisol ausgeschüttet werden und Gefühle von Ohnmacht, Hilflosigkeit und (Todes-) Angst hervorgerufen werden. Entscheidend ist, dass dieses Ereignis (noch) nicht verarbeitet wurde.
Handelt es sich um ein einmaliges Erlebnis, wird dabei von einem Schocktrauma gesprochen (z.B. ein Unfall, ein Einbruch/Überfall, eine Naturkatastrophe). Das Wesen eines Schocktraumas ist, dass jemand nach einer überwältigenden Erfahrung spürbar und erlebbar anders ist als davor – und sich dies auch nach wenigen Wochen nicht wieder regeneriert und normalisiert.
Ein Entwicklungstrauma entsteht, wenn wir als Kind nicht das bekommen, was wir für eine gesunde Entwicklung brauchen (z.B. Sicherheit und dauerhafte emotionale Verbundenheit). Die sensibelste Zeit ist von der Zeugung bis Ende des dritten Lebensjahres, denn dort sind positive Bindungserfahrungen existentiell für das Überleben eines Kindes. Die seelische Verletzung, die entsteht, wenn diese sichere Bindung nicht erlebt wird, schränkt unsere Lebendigkeit ein. Entwicklungstraumata sind also (frühe) prägende/geprägte Verletzungen, die unser System – den Körper und die Psyche dauerhaft unter Stress setzen. Bindungsverletzungen und Entwicklungstraumata kann man nicht getrennt sehen, weil das Trauma immer eine Bindungsverletzung beinhaltet. Viel von dem, was in unserer Erziehung als normal gesehen wurde/wird führt in sehr häufigen Fällen zu Entwicklungstraumata. Ein allein gelassenes Baby/Kind ist evolutionär bedingt dem Tod geweiht, somit erlebt das Baby/ Kind eine Existenzbedrohung.
Von diesen Traumata sind fast alle Menschen betroffen. Ihre Auswirkungen sind charakter- und persönlichkeitsprägend und deshalb werden von vielen Menschen die entstandenen Übererregungen gar nicht wahrgenommen, weil sie ja „immer schon da waren“.
Ob ein Ereignis zu einer Traumatisierung führt, hängt NICHT vom Ereignis an sich ab, sondern wie es für jemand ganz individuell möglich ist, die erlebte Erfahrung zu verarbeiten.
Immer wieder begegnen mir in meiner Arbeit Menschen, die Schlimmes erlebt haben, was aus ethnomedizinischer Sicht zu einer Abspaltung von Seelenanteilen geführt hat. Im Gespräch achte ich auf formulierte Empfindungen, beobachte Körpersprache und möchte Klienten sensibilisieren, Anzeichen wahrzunehmen und sie ermutigen, sich im Fall einer bestehenden Traumatisierung professionelle Hilfe in Form einer Traumatherapie zu suchen.
Die Stärkung der eigenen Ressourcen ist eine wichtige Voraussetzung, um sich mit der eigenen Innenwelt auseinander zu setzten und uns Trigger und Schlüsselreize bewusst machen zu können.
Wenn wir mit körperlichen Empfindungen, Emotionen, Impulsen, Verhaltensweisen und Gedanken in Kontakt kommen, die aus der Abspaltung von Seelenanteilen resultieren, eröffnen sich Möglichkeiten, diese Aspekte in die bewusste Wahrnehmung einzuladen und auf ihren heute noch geltenden Wahrheitsgehalt zu überprüfen. So kann sich Altes wandeln und Neues entstehen. Hierzu braucht es Mut und Selbstermächtigung. Beides steigt mit gestärkten Ressourcen an und der Klient kann lernen, sich selbst zu regulieren.


Meine traumasensible Arbeit versteht sich als Beratung, Coaching und Begleitung.
Sie ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.